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Tipp Der Redaktion - 2020

Glaube und Europas Geistesgeschichte

Das Europäische Das Magazin setzt sich mit dem deutschen Intellektuellen Martin Walser zusammen. Dieser Teil ihres Interviews ist mir aufgefallen:

The European: Ich denke, wir müssen Barth im Kontext des Existenzialismus verstehen. Hier ist jemand, der seinen Glauben nicht aufgeben will, aber sich bemüht, ihn mit den traditionellen Methoden und Argumenten der christlichen Theologie zu verstehen.
Walser: Der Existenzialismus von Sartre hat nichts mit Barth zu tun. Sartre ist vollständig in dieser Welt, nicht jenseits der Welt. Er kann durch soziales Handeln gerechtfertigt werden. Camus vielleicht. Aber ich interessiere mich für etwas anderes. Wenn Sie erst einmal mit der Frage des Glaubens aufgewacht sind, können Sie nicht einfach wie ein engagierter Atheist zu Ihrer Tagesordnung zurückkehren. Sie können sich nicht in den Komfort des Atheismus zurückziehen. Hinter uns liegen zweitausend Jahre, die von Fragen nach Gott geprägt sind. Die heutige atheistische Ruhe, auch von Intellektuellen, ist gleichbedeutend mit der Ausrottung unserer Geistesgeschichte.

The European: Warum?
Walser: Weil wir zugeben müssten, dass wir verrückt sind. Sie können nicht zweitausend Jahre lang versuchen, Gott zu verstehen und dann einfach die Frage fallen zu lassen und zu erklären, dass wir nicht mehr daran interessiert sind.

The European: Skepsis, Atheismus, Existentialismus - all diese intellektuellen Traditionen haben ihre eigenen langen Geschichten, die mit der Theologie koexistiert haben.
Walser: Ich glaube, die wichtigste Voraussetzung für den Glauben ist die Sensibilität für die Schönheit. Wir haben die Fähigkeit, etwas Schönes zu finden. Nehmen wir Bach oder Schubert: Ihre Musik war Gott gewidmet, hat aber ihr weltliches Leben erfüllt und geprägt. Wenn Sie ein engagierter Atheist sind, lehnen Sie sich zurück und verpassen den ganzen Reichtum dieser Geschichte. Als Atheist kann man die Musik nicht vollständig verstehen, man hat keine Erklärung für ihre beständige Bewegung und ihren Rhythmus. Diese Geschichte hat mich berührt und bewegt mich immer noch. Ich kann also nicht einfach Fragen über die Existenz Gottes aufgeben. Ich bin berührt von den Werken der Schönheit, die durch die Religion in die Welt gebracht wurden, und ich kann die alltägliche Erfahrung des Atheismus nicht einfach umarmen. Dafür ist unsere Geschichte zum Transzendentalismus zu reich. Sie brauchen keine Musik, um diese Geschichte auszudrücken - Barth oder Kierkegaard sprechen die Sprache. Barths Kommentar zum Paulusbrief an die Römer umfasst 600 Seiten leidenschaftlicher Prosa. Bevor ich Barth las, dachte ich, dass nur Nietzsche so leidenschaftlich schreiben kann, zum Beispiel in seinem „So sprach Zarathustra“. Aber Nietzsches Leidenschaft führt nirgendwo hin, der Übermensch existiert nicht. Es ist eine Tendenz, kein Thema in der historischen Zeit. Seit Nietzsche hat niemand mit so viel Leidenschaft den Positivismus in Frage gestellt.

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Schau das Video: Prof. Gilmanov: Unsterblich Königsbergs Besonderheit für die europäische Geistesgeschichte (Februar 2020).

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